Linsen: Früher Arme-Leute-Essen – heute Superfood :-)

  • So ändern sich die Zeiten und die Einstellung zu manchen Lebensmitteln. Aus dem Südosten der Türkei, dem heutigen Grenzgebiet mit Syrien und dem Irak, begann die Linse (Lens culinaris ) einst ihre Reise nach Europa. Als nahrhafte und gleichzeitig dankbar anzubauende Kultur wurde sie schnell sehr geschätzt. Bei uns hier im Schwäbischen sind (Link zum Rezept) Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle*  ein Kultessen und nicht wegzudenken von hiesigen Speisekarten und der schwäbischen Küche. Ich mochte Linsen schon immer, kenne sie seit meiner Kindheit, habe selbst immer wieder Linsengerichte gekocht,  aber sehr lange kannte auch ich nur Tellerlinsen als Basis.  Heute nehme ich Berg-, Alb- oder Räuberlinsen.
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Fotoquelle: http://www.schwaebischealb.de

Linsen, die ich immer im Haus habe:

  • rote Linsen  –  verwende ich gerne exotische Suppen mit Ingwer, Kokosmilch
  • Berglinsen  –   eignen sich besonders für feine Eintöpfe mit viel Gemüse
  • Belugalinsen – bleiben schön fest und sind deshalb gut für Salate geeignet
  • „Räuber“linsen  – sind was ganz Besonderes aus unserer Region (s.unten)
  • Alb – Leisa (schwäbisch) – Linsen von der Schwäbischen Alb, eine grün marmorierte Sorte.

Der Anbau ist allerdings nicht ganz einfach, denn die Linsen brauchen eine Stützpflanze.

Wie Bio-Bauern nicht nur für Artenvielfalt sorgen, sondern gleichzeitig auch Linsen erzeugen, könnt ihr hier auf diesem Youtube Video Artenvielfalt im Alb-Leisa-Acker sehen.  Reich kann man damit bestimmt nicht werden, aber inzwischen ist diese spezielle Linse hier recht weit verbreitet und in gut sortierten Bioläden.

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Bei uns im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald in Mainhardt, wo es nicht nur landschaftlich wunderschön ist und es sich in herrlicher Umgebung wunderbar wandern lässt, hatte ein Landwirt die Idee, Linsen wieder zu kultivieren und regional zu vertreiben.  Gerhard Scholl entschied sich für die kleine, grüne französische Linse „Puy“ Sie ist schmackhaft, bissfest und sehr aromatisch.

Wie schwierig sich der Anbau anfangs gestaltete ist  HIER nachzulesen. Früher wurden Linsen gerne auch als Viehfutter angebaut, heute gehören sie zu den beliebtesten Hülsenfrüchten, denn sie werden in der vegetarischen oder auch veganen Küche gerne verwendet.  Vegetarische Burger werden oft aus Linsen hergestellt, was sehr gut schmeckt.

Zurück zu unseren Linsen, die übrigens  „lentils“ in Englisch heißen und bei den Franzosen „les lentilles“.   Da ist doch der lateinische Ausdruck „lens“ noch sehr gut zu erkennen


.

Der Name „Räuberlinsen“ entstand in Anlehnung an die(hier kommt der Link) Räuberbande vom Mainhardter Wald, Aufstand_Logodie es tatsächlich gab und viele Jahre Angst und Schrecken verbreitete und deren „Geschichten“ noch heute von einer Laienspielgruppe alljährlich an einem Originalschauplatz als Stationentheater aufgeführt wird.  Bevor wir hier her zogen wusste ich gar nicht, dass die Menschen früher so aufmüpfig waren und sich gegen die Obrigkeit lange Jahre wehrten bevor die meisten dies allerdings mit dem Leben bezahlten mussten.

Hier zwei Rezepte zu den Räuberlinsen, die ich direkt vom Erzeuger habe, denn wir hatten  Herrn Scholl und seine Frau zu einem Vortragsabend zu den LandFrauen eingeladen und die beiden verwöhnten uns mit köstlichen Salaten aus den Räuberlinsen.  Die „Alblinsen“ kann man hierzu allerdings genauso gut verwenden und ebenfalls Belugalinsen, weil diese schön bissfest bleiben.

Rezepte vom Erzeuger:  Der Einfachheit halber einfach abfotografiert aus dem Rezeptheftlein, das wir von den beiden bekommen haben. Beide Salate schmecken sehr gut.

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Ich selbst habe kürzlich eine „Linsen-Bolognese“ fabriziert, also das Hackfleisch durch Linsen ersetzt. Ich finde das Ergebnis köstlich.  Habe ich früher noch mehrmals pro Woche Fleisch gegessen,  reduziert sich das heutzutage auf einmal pro Woche und wenn, dann nur sehr hochwertiges Fleisch vom Metzger!   Selbst Schnitzel mache ich heute oft aus Scheiben der Sellerieknolle.  Schmeckt sehr lecker. Aber das nur nebenbei.

So, nun bin ich fertig mit meinem Exkurs in die „Linsenwelt“ über die es noch viel mehr zu berichten gäbe, aber wozu gibt es das Internet.  Dort gibt es über die wertvollen Inhaltsstoffe der Linse noch viel mehr nachzulesen.

Heute wollte ich nur ein wenig plaudern über Linsen im Allgemeinen und „Räuber- und Alblinsen“ im Besonderen, die vielleicht  bis jetzt nicht überall bekannt sind, aber inzwischen  von hier aus durchaus längere Reisen, ja sogar einen Siegeszug 🙂 angetreten haben und zwar nach Leipzig, wo mein Sohn daraus ebenfalls köstliche Speisen zaubert. Er war total überrascht vom guten Geschmack der Linsen und hat mich gebeten für Nachschub zu sorgen.  Dem Wunsch bin ich gerne nachgekommen!  Inzwischen sind diese regionalen Linsen aber auch in Online-Shops zu bekommen.

Falls ihr noch nicht auf den Geschmack gekommen seid, dann probiert doch einfach mal unser „Schwäbisches Nationalgericht“ aus und noch viele andere Rezepte.

Guten Appetit!

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Fotoquelle: B. Frankhauser

*Saitenwürstchen sind hier eine Spezialität.  Wie der Name vermuten lässt, steckt die Wurst in einem zarten Saitling, das ist der Dünndarm des Schafes.  Für Knacker oder Bockwurst nutzt man den Dünndarm des Schweins als Wursthülle. Der ist aber lange nicht so dünn und zart. Für Vegetarier ist das jetzt nicht so interessant, aber ich wollte noch erklären, warum die bei uns sehr beliebten Saitenwürstle so heißen.  

 


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